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Ein Blick hinter die Kulissen: Maskenschnitzer Norbert Madlener im Interview

Als Eugen Schmid, der langjährige Schnitzer der Goißa-Maske, sein Handwerk altersbedingt einstellte, wurde die Narrengilde im vergangenen Jahr auf der Suche nach einem Nachfolger in der näheren und weiteren Umgebung in den eigenen Reihen fündig:

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Mit Norbert Madlener wurde ein Schnitzer gefunden, der selbst seit dem Kindergartenalter als Goiß unterwegs ist, sich voll mit der Narrengilde und der Goiß identifiziert und seine langjährige Faszination von Masken nun in kreativem Schaffen ausleben kann. Chronist Uwe Wolfgang führte ein ausführliches Interview mit ihm:

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Uwe: Norbert, was macht das Springen in einer "Goiß" für Dich so interessant?
Norbert:Schön ist die Abwechslung: Man kann während des Umzugs wild herumtoben und rennen oder sich völlig "normal" bewegen und dabei Erwachsene und Kinder am Straßenrand gleichermaßen begeistern!
Uwe: Und wie bist Du dann auf die Idee gekommen, Masken zu schnitzen?
Norbert:Ich war schon als Kind von Masken fasziniert.
Uwe: Du kommst ja auch aus einer närrischen Familie!
Norbert:Ja, und mit dem Tatort "Bienzle und das Narrenspiel" kam das Interesse am Schnitzen hinzu. In diesem Anfang der neunziger Jahre in Ravensburg gedrehten Tatort wurde ein Mord mit dem Werkzeug eines Maskenschnitzers verübt und dieser als Hauptverdächtigter inhaftiert. Mit dem ins Gefängnis geschmuggelten Schnitzwerkzeug schnitzte er sogar in der Untersuchungshaft weiter! Das hat mich echt schwer beeindruckt!
Uwe: Und trotzdem hast Du einen anderen Beruf erlernt!?
Norbert:Das stimmt, aber trotz meiner Ausbildung zum Steinmetz haben mich die Masken nie losgelassen! Zum 31. Geburtstag hat mir dann meine Frau ein Stück Holz und ein Schnitzeisen geschenkt, zu dem ich mir dann Stück für Stück dazugekauft habe. Mit in der Küchenmaschine geknetetem Ton - meine Frau war begeistert - machte ich auf dem Sofa erste Modellier-Versuche. "Wäre cool, wenn ich dieses Modell jetzt in Holz hätte", dachte ich mir und begann, mit einem Holzklotz zu schnitzen. Das Ergebnis entsprach aber nicht meinen Vorstellungen und so beschloss ich, einen Schnitzkurs zu belegen.
Uwe: Und wie ging es dann weiter?
Norbert:Ich habe den Maskenschnitzer Jogi Weiß angerufen und ihn dann in seiner Schreinerei in Ravensburg-Oberhofen besucht. Er und seine Ex-Frau Karin haben mir viele Tipps gegeben. Außerdem bekomme ich von Jogi geeignetes Holz und die Maschinen in seiner Werkstatt zur Verfügung gestellt. Von seiner langjährigen Erfahrung durch das Maskenschnitzen für viele Zünfte in Oberschwaben und im Schwarzwald konnte ich anfangs sehr viel profitieren! Ich konnte jederzeit zu ihm kommen, egal, ob es um Schleifen, Schnitzen oder sonstige Fragen ging.
Uwe: Und wie kam es dann zur Anfrage der Narrengilde?
Norbert:Der langjährige Schnitzer der Narrengilde hatte altersbedingt aufgehört, Masken zu schnitzen. Nach Anfragen bei verschiedenen Maskenschnitzern in der näheren und weiteren Umgebung sagte dann wohl mein Vater (Anm.: Narrenrat und Vereinskoch Lude Madlener): "Der Norbert macht das".
Uwe: Das freut uns! Die Narrengilde und insbesondere die Goißa sind froh, jemanden in der Nähe zu haben, der sich auskennt und sich mit der Goiß voll identifiziert! Die Resonanz nach Deiner Vorstellung am 11.11. war sehr, sehr positiv! Mich würde jetzt aber noch interessieren, wie Dein Schaffen in der Praxis aussieht!
Norbert:Klar, das zeige ich Dir gern in meiner Werkstatt. Die Masken-Rohlinge ohne Ohren und Hörner werden aus einem Weymouthskiefer-Klotz vorgefräst. Danach fertigt man Rohlinge für Hörner und Ohren an. Jetzt beginnt man, das Gesicht zu schnitzen. Die auf der Bandschleifmaschine plangeschliffenen Hörner und Ohren werden mit Druck aufgeleimt. Um Gewicht zu sparen, wird nun die Maske von innen ausgeschliffen. Jogi Weiß gab mir übrigens auch hier viele Tipps, z.B. wie man den Bart ausschleift.
Uwe: Werden die Masken eigentlich noch ans Gesicht des Maskenträgers angepasst?
Norbert:Nein, das hat man früher gemacht. Heute fertigt man zwei Größen, der Rest wird mit Polstern angepasst. Das hat den Vorteil, dass man eine Maske dann auch einfacher verleihen, weiterverkaufen oder vererben kann.
Uwe: Interessant! Was hast Du noch verändert?
Norbert:Wir übernehmen jetzt den Augenabstand von Menschen. Früher war dieser kleiner, so dass man meist nur mit einem Auge sehen konnte. Außerdem haben wir die Ohren natürlicher gestaltet, die Hörner dicker gemacht und mit tieferen Rillen versehen sowie die Haare wilder wirken lassen. Unser Ziel war, dass die Maske mehr Ausdruck bekommt und wie ein richtiges Gesicht wirkt. Unterstützt wurde ich dabei von unserem Gruppenleiter Reiner Bosler.
Uwe: Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Und wie bekommt die Goiß jetzt ihre typische Farbe?
Norbert:Es gibt zwei verschiedene Beizen, eine rötliche und eine bräunliche. Die individuellen Eigenarten entstehen vorher beim Schnitzen. Für die Haare verwende ich eine dunkle Dispersionsfarbe. Das Gefährliche am Beizen ist, dass bereits beim ersten Versuch alles funktionieren muss. Wenn man einen falschen Farbton hat, muss man alles wieder abschleifen. Das ist die Herausforderung! Unser stellvertretender Gruppenleiter Michael Hegele besorgt uns immer das Fell, das dann in einer Co-Produktion mit meiner Frau Yvonne befestigt wird,
Uwe: "Yvonne" ist ein gutes Stichwort! Deine Frau ist ja eine tolle Näherin. Damit gibt es jetzt bei Euch alles aus einer Hand für die Goißa! Yvonnes Künste konnte man ja bereits am Gaisbeurer Weihnachtsmarkt bewundern.
Norbert:Ja, das ist in der Tat so. Mit unserer Firma "Hölzlie und Stöfflie" besuchen wir viele Märkte in unserer Umgebung. Dabei sammeln wir übrigens auch immer für die Radio 7 Drachenkinder. Der aktuelle Spendenstand beträgt immerhin schon 279 Euro. An dieser Stelle möchten wir uns auch gern bei den zahlreichen Spendern bedanken! Im kommenden Jahr sammeln wir dann für die Kinderkrebsstation in Tübingen.
Uwe: Das finde ich toll, Norbert! Herzlichen Dank für die vielen Informationen und die Zeit, die Du Dir für dieses Interview genommen hast! Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg mit Eurem jungen Unternehmen und noch viel mehr Spaß in und mit unserer Reutener Fasnet! Wa muinet´r?
Norbert:Ha wellaweag!

© Narrengilde Schussentäler e.V. Reute
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