Narrengilde Schussentäler e.V. Reute
Wa muinet´r - Ha wellaweag



Schussentäler 
















In den frühen sechziger Jahren gestalteten die Bewohner des Schussentobels jedes Jahr einen Umzugswagen mit abwechselnden Motiven, um damit am Reutener Umzug teilzunehmen: Von Durlesbach aus wanderte die Ulkgruppe mit ihrem Wagen zum Umzug nach Reute. Dabei wurden die Motive und Themen jährlich geändert. Nach 1963, dem Gründungsjahr der Narrengilde, einigte man sich schließlich auf eine Räuberbande und verkleidete sich als Schwarz Vere. Aufgrund der Namensgleicheit von der später gegründeten Patenzunft aus Ravensburg änderte die Schwarz Vere-Gruppe für die Aufnahme in den Alemannischen Narrenring kurzerhand ihren Namen und nannte sich fortan Schussentäler. Die Gruppe steht sinnbildlich für die Räuberzeit in Oberschwaben zwischen 1817 und 1819 und zugleich für die unruhige Nachkriegszeit nach den napoleonischen Kriegen.
Die Schussentäler-Maske zeigt eine verwegene Miene, tiefbraunen Teint, einen schwarzen Bart und wallendes schwarzes Haar. Dazu trägt der Räuber einen ebenfalls schwarzen Kegelhut mit rotem Bandstreifen und langen Fasanenfedern. Mit seiner roten Jacke über dem weißen Pullover mit Chapeau sowie grüner Hose, roten Strümpfen, schwarzen Schuhen und Handschuhen kommt er nobel daher. In der Hand hält er einen braunen Plüschwedel zum Streicheln der Umzugs-Zuschauer
Hier gibt es weitere Infos zu den Oberschwäbischen Räuberbanden:


Oberschwäbische Räuberbanden
Oberschwäbische Räuberbanden.docx (897.98KB)
Oberschwäbische Räuberbanden
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Schwaaz Ageth


Als völlig neue Figur kann die Schwaaz Ageth nicht bezeichnet werden. Bereits seit der Gründung der Schussentäler bestand die Idee, der männlichen Räuberfigur eine Frau zur Seite zu stellen. Beim ersten Reutener Maskenumzug 1974 trat der Schussentäler erstmals gemeinsam mit einer Räuberin auf. Diese trug ein dem Männerhäs ähnliches Gewand mit grünem Rock, blonden Haaren und weiblicher Maske. Der Entwurf fand jedoch bei den Hästrägerinnen keinen Anklang. Bereits im Folgejahr wurden die Röcke zu Hosen umgenäht, schwarze Perücken angebracht und die freundliche Maske von Ernst Fässler in ein männlich wirkendes Räubergesicht umgeschnitzt. Damit verschwand die weibliche Figur zunächst wieder, und der Schussentäler wurde 1974 als Einzelmaske beim Herbstkonvent des Alemannischen Narrenrings (ANR) vorgestellt.
Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg blieb der Wunsch nach einer eigenständigen Frauenfigur bestehen. Ende der 1990er-Jahre wurde dieser Wunsch konkret, auch mit dem Ziel, eine ruhige, gepflegte Maske zu schaffen, die langfristig tragbar ist. Im Herbst 1999 fiel die Entscheidung zur Entwicklung einer neuen Schussentälerfrau. Die Koordination übernahm Gruppenleiter Volker Knörle, das Vorhaben wurde nach der Fasnet 2000 offiziell bekannt gegeben. Eine Arbeitsgruppe begann mit der Recherche zur Räuberzeit um 1800 und stützte sich dabei unter anderem auf zeitgenössische Literatur aus der Franzosenzeit.
Im Juni 2000 lagen erste Entwürfe vor, die anschließend weiterentwickelt wurden. Bewusst entschied man sich für zwei Maskentypen, eine „junge“ und eine „alte“ Frau.










Goiß

Als erste Reutener Holzmaske entstand 1971 die Goiß, die seitdem die Reutener Fasnet belebt. Die Idee für die Maske lieferte der zu Reute gehörende Bahnhof Durlesbach. Die Reutener Narren gehen davon aus, dass der historische Goißbock aus dem Lied „Auf d’r schwäbscha Eisabahna“ vor seinem „seligen End“ in einem guten Stall für reichlich Nachwuchs gesorgt hat. An der handgeschnitzten Holzmaske ist ein original Goißafell angebracht. Das braune Häs wird von einem braunen, mit fünf Glocken besetzten, Gürtel zusammengehalten. Es wird von einem braunen Halstuch, braunen Handschuhen mit aufgenähtem Fell und braunen Schuhen komplettiert. Da bis heute jede Maske von Hand geschnitzt wird, bekommt jeder Goißakopf sein ganz individuelles Aussehen. Die Goiß ist eine sehr lebhafte Maske und erfreut die Umzugs Zuschauer gemeinsam mit ihrem Narrensamen mit so manchem Schabernack.




Riedrälle



Seit 1974 ist der Riedrälle an der Reutener Fasnet aktiv dabei. Die ersten Mitglieder der Gruppe kamen aus dem sogenannten „Unteren Bezirk“, wo sie, seit 1963 bestehend, noch „Riedmeckeler“ hießen. Mit Rupfensäcken, Hanfperücken und rotbraun geschminkten Gesichtern nahm dieser wilde Haufen an Umzügen in nah und fern teil. Heute werden die Mitglieder nicht mehr geschminkt. Stattdessen tragen sie Masken mit zotteligem Basthaar. Und die alten Rupfensäcke mussten einem Häs aus ähnlich aussehendem Stoff weichen. Verziert wird er mit roten, gelben und grünen Flecken. Ein dunkelgrüner, rot-schwarz geflammter Umhang rundet das charakteristische Erscheinungsbild ab. Der Riedrälle stellt eine Schreckgestalt aus der nahen Riedlandschaft dar. Mit seinem Birkenstecken überspringt er so manches Hindernis. Aus ursprünglich fünf Masken bei der Gründung hat sich im Laufe der Zeit eine große Maskengruppe entwickelt.





Gerichtswaibel

Der Büttel ist seit Gründung der Narrengilde Mitglied der Vorstandschaft und in dieser Funktion mit einer Fülle von Aufgaben betraut. Bei den zahlreichen Umzügen war er aber als solcher nicht zu erkennen, da er nur als „normaler“ Hästräger in Erscheinung trat. Die Idee, dem Büttel ein eigenständiges Erscheinungsbild zu geben, setzte Volker Knörle in die Tat um.
Nach Gesprächen mit dem Brauchtumsausschuss des Alemannischen Narrenrings (ANR) wurde deutlich, dass die Figur aus Reute sein sollte, also weder militärische noch staatliche Historie haben durfte. Fündig wurde er schließlich in der Dorfchronik in einem Bericht von 1938, der das „Gericht Reuthe“ beschreibt. Reute hatte seit dem 31. Oktober 1467 ein eigenes Gericht. Es handelte sich um einen eigenen kleinen Regierungsbezirk in Vorderösterreich, der als eigene Verwaltung wie die Grafschaften Nellenburg und Hohenberg oder die fünf Donaustädte in vielen Urkunden genannt wird. Das ursprüngliche Gerichtsgebäude von 1500 wurde während des Schwedenkrieges im Jahre 1633 niedergebrannt. Lange begnügten sich die Bürger in den folgenden Jahrhunderten mit Gerichten unter freiem Himmel. Erst 1739 erhielt das Gericht eine neue Heimstätte im heutigen Pfarrhaus, das als Pfarr- und Gerichtsgebäude erbaut wurde. Noch heute ist der Gerichtssaal mit seinen Fresken und Gemälden unverändert zu sehen.
Das Gericht setzte sich durch den Gerichtsvorstand, genannt „Amann“, und vier Gerichtsmännern zusammen. Ferner war dem Gericht mit dem „Waibel“ ein Gerichtsdiener beigegeben. Dieser trug als einziger eine Uniform und war mit einem Säbel bewaffnet. Als 1806 Reute zum Königreich Württemberg kam, begann damit auch die Mediatisierung der Gerichte. So wurden dem Gericht Reuthe und seinem damaligen Besitzer Fürst Waldburg Wolfegg-Waldsee alle Herrschaftsrechte entzogen. In den Ausgaben- und Besoldungsakten verschwindet der Begriff „Gerichtswaibel“ 1815 und wird durch einen „Polizeidiener“ ersetzt. Für Volker Knörle war schnell klar, dass er diese historische Figur als Vorlage für das Büttelhäs nehmen würde.



Truchanarr

Der Truchanarr ist eine Einzelfigur, die eine besondere Rolle in der Reutener Fasnet innehat.
Bei der jährlich stattfindenden „Goißawäsch“, die dem Maskenwecken gleichkommt, wird eine große Truhe (Trucha) mit Hilfe von Seilen von kräftigen Burschen des Zigeunervolks daher geschleppt.
Noch ist zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, was sich in dieser Truhe befindet. Ein Klopfgeräusch aus dem Innern erschreckt die anwesenden Zigeunerinnen und Zigeuner. Der Deckel der Truhe öffnet sich langsam und daraus steigt ein nun erwachter Clown. In der Truhe befinden sich außerdem allerlei Hästeile und Masken der Reutener Fasnet. Mit diesem Ritual ist die fünfte Jahreszeit in Reute eröffnet.
Da das damalige Kostüm mit der Zeit sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, benötigte man ein neues Häs. Zum 50-jährigen Bestehen der Narrengilde organisierte der Verein eine Ausstellung im Gebäude des einstigen Pfarrhauses und Gerichts. Bei der Vorbereitungsarbeit entdeckte man eine Abbildung eines Narren aus dem Jahr 1739. Dies diente als Anlass, ein neues Häs zu schaffen. Der Truchanarr trägt eine Hose und ein Oberteil in rot und gelb geteilt. Eine blaue Weste komplettiert das Kostüm.
Seitan läuft der Truchanarr bei Umzügen an der Spitze gemeinsam mit dem Narrensamen. Am Fasnetsdienstag - abends vor dem Fasnetverbrennen – steigt der Truchanarr wieder in seine Trucha. Mit ihm verschwinden auch die anderen Fasnet-Utensilien wie Masken, Hästeile und Geschell wieder in der Truhe. Die Fasnet in Reute ist damit wieder für ein Jahr beendet.




Blaue

Seit dem Jahr 1975 tragen der Narrenrat und die Vorstandschaft das sogenannte blaue Häs, das aus einem blauen Umhang und einem blauen Hut besteht. Der Umhang ist mit gelben, gestickten Pfadlilien verziert, die auf das Wappen des Ortes zurückgehen. Dieses vornehme Erscheinungsbild erinnert an die Zeit, in der Reute noch eigenes Gericht besaß und spielt auf die Dorfgeschichte an.




Zigeunervolk

Das Zigeunervolk ist die älteste Gruppe der heutigen Narrengilde und kann damit auf die längste Tradition zurückblicken: Bereits vor Gründung des Vereins war das Zigeunervolk an der Organisation eines Umzugs mit vielen Ulkgruppen und närrischen Wagen beteiligt. Aus dieser Zeit kommt das noch heute betriebene Schnurren. Das Zigeunervolk zog hinaus in die Umgebung von Reute. Von den Bauern wurden Frucht, Mehl, Eier u.v.m. geschnurrt und im Zigeunerwagen verstaut. Wenn abends der Wagen voll war, ist man mit der Ware zu den Müllern und Bäckern im Ort gefahren und hat alles wieder verkauft.
Zum Zigeunervolk gehörten damals schon die Scherenschleifer, die mit ihren Schleifsteinen in die Haushalte gingen, um alle stumpfen Scheren und Messer gegen eine kleine Spende zu schleifen. Auch ein richtiger Tanzbär mit Bärentreiber durfte nicht fehlen. Zusammen mit der Musik unterhielt dieser die Kinder. Die Zigeunerpaare marschierten von Haus zu Haus, um zu sammeln und verschenkten dabei viele Süßigkeiten und Waren wie Mausefallen, Schuhputzbürsten oder Nähgarn.
Heute werden in den Haushalten in und um Reute Spenden gesammelt. Der Zweck des Schnurrens ist unverändert: Mit dem Spendengeld werden die Kinder der Kindergärten und Schulen an der Fasnet mit Wurst und Wecken beschenkt. Eine wichtige Aufgabe des Zigeunervolkes ist das Narrenrechtabholen in der Gemeinde Reute-Gaisbeuren. Während den Schnurrertagen vom Gumpigen Donnerstag bis Fasnetsamstag gibt es einen festgelegten Ablauf. Dieser beinhaltet sowohl die Besuche der Kinder-gärten, das Befreien der Schüler der Durlesbachschule, als auch den Besuch im Kloster.
Der alte, von einem Traktor gezogene Zigeunerwagen, ist leider den heutigen Vorschriften zum Opfer gefallen. Die Zigeunereltern ziehen mit ihren Schnurrerpaaren mit Weidenkörben und Sammelbüchsen seit einigen Jahren mit einem modernen Gefährt hinaus in die Ortschaften. Für eine kleine Spende gibt es nützliche Schnurrerwaren und stimmungsvolle Fasnetslieder der Schnurrermusik.