Chronik Narrengilde
Ca. 1900 Mit Unterbrechungen durch die beiden Weltkriege finden in Reute jedes Jahr Fasnetsumzüge statt.
1950 - 1961 Eine Zigeunergruppe mit Zigeunereltern unterstützt von Scherenschleifern, Musik und einem Bären sammelte in den Häusern und verkaufte ihre Handelsware (das sogenannte „Schnurren“). Damit wurden die „Gutzle“ sowie Wurst und Wecken für die Kinder finanziert. Die Zigeunerinnen machten sich damals bereits im Sommer an die Arbeit und sammelten Kräuter und Tee. Die getrocknete Ware wurde, in kleinen Tüten verpackt, während der Fasnet „verschnurrt“.
1963 Gründungsversammlung am 07.12.63 im Gasthaus „Hirsch“ in Reute. 66 Fasnetfreunde schlossen sich zu einem Verein zusammen. Die Fasnet fand ausschließlich in der eigenen Gemeinde statt. Das „Schnurren“ sowie das Narrenrecht abholen war traditionell eine Sache der Zigeuner- gruppe. Auch umliegende Ortschaften beteiligten sich am jährlichen Umzug. Je nach Motto wurden prächtige Wagen gebaut. Dazu die passenden Kostüme zu nähen, war Frauensache. Es gab außerdem einen Bürgerball.
1964 Hannelore und Franz Schnell aus Durlesbach entwerfen das Gildewappen.
1966 Wegen der Maul- und Klauenseuche werden sämtliche Veranstaltungen der Narrengilde gestrichen.
1969 Schnitzer, Ernst Fässler aus Weingarten fertigt nach diesem Entwurf das Gildewappen. Um das Wappen von Reute in der Mitte sind ein Geißbock, stellvertretend für Gaisbeuren, ein Clown für den „Unteren Bezirk“, ein „Schwaaz Vere“ für die Durlesbacher und seit 1977 ein Riedrälle zu sehen. Letzterer ersetzte das ursprünglich auf dem Wappen befindliche Fischernetz als Symbol für die Uferbewohner von Durlesbach und Schussen.
1974 Das Jahr brachte wesentliche Veränderungen mit sich: Erstmals veränderten Maskenträger das Umzugsbild – auch bei den Auswärts-Umzügen in Eberhardzell, Baienfurt und Bad Schussenried. Außerdem fand am 2. Februar die erste „Goißa wäsch“ statt. Am 26.10.1974 wurde die Narrengilde Mitglied im „Alemannischen Narrenring“.
1975 Vorstandschaft und Narrenrat erhalten ein edles Häs. Der schwarze Gildehut aus Filz mit bunten Federn hält Einzug. In dieser Fasnet war die Narrengilde bereits siebenmal bei befreundeten Zünften zu Gast.
1980 Die Narrengilde hat bereits 220 Mitglieder.
1988 Das 25-jährige Jubiläum 1988 wurde gebührend gefeiert. Der Jubiläums- Umzug mit über 3.000 Maskenträgern aus 40 Zünften übertraf alle Erwartungen. So ein Spektakel hatte Reute bis dahin noch nicht gesehen!
1990 Der Verein zählt 315 Mitglieder.
1991 Wegen des Golfkrieges werden alle Fasnet-Veranstaltungen abgesagt. Am geplanten Umzugstag gestalten die Narren den Sonntagsgottesdienst, um mit der Gemeinde für den Weltfrieden zu beten. Seither findet die sog. Narrenmesse unter Beteiligung der Narrengilde statt.
1999 Die alte Tradition des Fasnetsverbrennens wird um einen Fackelumzug mit anschließender Trauerrede auf dem Dorfplatz erweitert.
2001 Die neue Maske „Schwaaz Ageth“ wird beim Konvent des ANR vorgestellt. Damit bekam der „Schussentäler“ eine Frau zur Seite. Die Narrengilde hat eine eigene Homepage unter www.narrengilde-reute.de im Internet.
2003 40-jähriges Vereinsjubiläum: Höhepunkt des Jubiläumswochenendes war ein ANR-Freundschaftstreffen mit 84 Gruppen, die tausenden Zuschauern bei schönem Wetter einen riesigen Umzug bescherten.
2010 Nach Annahme durch den ANR-Herbstkonvent folgte die Vorstellung des neuen Büttel-Häses.
2011 Der Büttel führt fortan die Reutener Narren im Häs des Gerichtswaibels bei den Umzügen an.
2012 Neue Fasentsbändel in den Farben des Ortschaftswappens wurden angeschafft. Dank großzügiger Sponsoren gelingt es, die 36 Jahre alten Fasnetsbändel ohne Vereinszuschuss zu ersetzen. Wahre Kunstwerke sind die von Herbert Mayer aus Gebrazhofen geschaffenen neuen Bühnenbilder, die einen sehr variablen Einsatz im Sternensaal und in der Durlesbachhalle ermöglichen. Die Zigeunergruppe nimmt eine CD mit Fasnet-Liedern und -Sprüchen auf. Ein langjähriger Wunsch von Hermann Sommer, Präsident und Zigeunervater, wurde damit erfüllt. Der Verein ist auf stolze 407 Mitglieder angewachsen.
2013 Die Narrengilde feiert ihren 50-sten Geburtstag. 96 Gruppen beteiligen sich am großen Jubiläums-Umzug. Im Pfarrhaus Reute wird eine Jubiläums- Ausstellung durch 50 Jahre Vereinsgeschichte der Narrengilde gezeigt.
2015 Das Reutener Narrenlied wird 40 Jahre alt. Der „Truchennarr“ wird nach einer alten Vorlage von 1739 aus der Taufe gehoben.
2016 Ein neues Vereinswappen wird entworfen
2021 Sämtliche Narrensprünge und Veranstaltungen rund um die Fasnet fallen aus. Es gibt nur eine virtuelle Fasnet in Form von Videos und Bildern. Sonja Münsch wird nach 30-jähriger Tätigkeit als Gildemeisterin verabschiedet. Die Narrengilde Schussentäler e.V. Reute ist seit dem 22.04.2021 berechtigt, das Logo des Immateriellen Kulturerbes Schwäbisch-Alemannische Fastnacht zu führen.
2022 Trotz öffentlicher Beschränkungen findet die „Goißawäsch“ und das Narrenbaumstellen in kleinem Rahmen im Freien statt. Anstelle des Schnurrens fährt eine Abordnung vom Zigeunervölkle mit Musik begleitet durch die Ortschaften und besucht als Danke-Aktion langjährige Gastgeber und Freunde. Auch die Narrenmesse wird gefeiert.
2023 Die Narrengilde Schussentäler Reute feiert ihren 60. Geburtstag.
2025 Die vorgezogene Bundestagswahl kollidierte mit dem Umzugssonntag. Hierfür wurde der Aufstellungsplatz verlegt, die Umzugsstrecke geändert und ein neues Sicherheitskonzept entwickelt, um den Gang zur Wahlurne zu gewährleisten. Während unzählige Zünfte ihre Veranstaltungen an diesem Wochenende aufgrund der Wahl und strengeren Sicherheitsmaßnahmen absagten, fanden die Veranstaltungen an diesem Wochenende in Reute statt. Aufgrund des enormen Mehraufwands wurde das Fernsehen auf die Narrengilde aufmerksam und interviewte Ehrengildemeisterin Sonja Münsch beim Gang zur Wahlurne.









